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Felix Appenzeller


Appenzeller, Charles Felix, Maler u. Graphiker, * 18.8.1892 St.Gallen. - Schüler von Wilh. Hummel in Zürich. In München an Kunstakad. bei Angelo Jank. 1911 in Genf bei Otto Vautier. 1911-1925 in Genf ansässig. Seither in Paris. Malt Stilleben, Landschaften, Bildnisse, Akte, figürl. Kompositionen in Öl u. Aquarell wie: Portrait d'une danseuse, L'automne, Femme à l'éventail, Fleurs, Mise au tombeau, Les baigneurs, Le pont de chemin de fer, Modèle debout, La pluie, Les oranges, Nu couché. Veröffentlicht 1918 «Douze Estampes», 1923 «Album de lithographies». 2 Bilder im Mus. St.Gallen.
Ausst.: Schweiz. Nat. Kunstausst. 1912. 1914. 1917. 1919, 1922, 1925, 1928 u. 1931. Kunsthaus Zürich 1913 u. 1916. Sal. d'Automne Paris 1946.
Lit.: Joseph, I (1930). - Vollmer, I (1953). - Reinhart-Fink (1918). - Neuweiler (1945). - Schweiz, 1919 p. 401 (Abb.). - Der Kunstwanderer, 1922 Oktoberheft p. 53 ff. -- Pages d'Art, 1919 p. 298. - L'Art en Suisse, 1929 p. 116 (Abb.); 1931 H.7.


Appenzeller Zeitung Herisau
Mittwoch, 8. April 1981 Nr. 82 Seite 7

In der Galerie Niggli in Niederteufen neben Hodler und Liner sen.:

Karl-Felix Appenzeller eine Wiederentdeckung

mw. Oelbilder und Zeichnungen dreier Maler «von gestern» - Karl-Felix Appenzeller (1892 - 1964), Ferdinand Hodler (1863 - 1918) und Carl Liner sen. (1871 - 1946) - zeigt Ida Niggli in ihrer neuen Ausstellung in der Galerie auf dem Böhl in Niederteufen bis Ende Mai. Obwohl die Begegnung mit Hodler und Liner immer wieder ein Ereignis ist, stellt die Wiederentdeckung des gebürtigen St.Gallers Karl-Felix Appenzeller die Werke seiner Zeitgenossen in den Schatten. In den letzten 50 Jahren wurde Karl-Felix Appenzeller gerade nur dreimal ausgestellt: 1946 in Paris, 1978 in Chiasso und 1980 in Locarno. In der Ostschweiz sind die Werke Appenzellers gar überhaupt zum erstenmal zu sehen.

Felix Appenzeller - ResignationDie starken, lebensvollen Frauenbilder des lange vergessenen Appenzeller bilden einen prächtigen Kontrast zu der kühlen Verhaltenheit der Zeichnungen Hodlers -und den stillen, feinen Zeichnungen Liners. Appenzeller - ein geistiger Erbe Toulouse Lautrecs - ist wie Liner weder eindeutig dem Impressionismus noch dem Expressionismus zuzuordnen. Wie sein Landsmann und Zeitgenosse Liner war Appenzeller ein Interpret des alltäglichen Lebens, doch in einer anderen Weise als Liner: Appenzellers Landschaften. sind reine, kristallklare Nur-Landschaftsbilder, ohne Menschen. Mit Tusche, Kohle und Bleistift schuf er stimmungsvolle Landschaften, die niemals zur blossen Idylle werden. Eine fast geometrische Strenge verhindert von vornherein jede Sentimentalität. Und doch sind seine Landschaften nie kühl, sie verströmen Atmosphäre, sie scheinen zu atmen, sie sind frisch und lebendig wie zur Zeit ihrer Entstehung.

Packende Frauenbilder

Die eigentliche Sensation der Ausstellung aber sind Appenzellers Frauenbilder. In diesen Akt-Bildern gibt er - und darin erinnern sie immer wieder an Werke Toulouse Lautrecs - die seelische Situation der dargestellten Frau wieder. Sie sind Seelengemälde ohne Exhibitionismus. Müdigkeit, Trauer, Resignation, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung sprechen aus Augen und Körperhaltung. Nie hat Appenzeller die Körper der Frauen aus dem Milieu, die seine Modelle waren, idealisiert: die Wahrheit aber macht seine Frauenbilder so schön, stark und lebensvoll.

Wie bei den Landschaften ging Appenzeller auch bei den Akten mit Farben sehr sparsam um: mit Pastellkreide tönt er nur Farbtupfer an, einen grünen Hut etwa, einen rosaroten Paravent. Appenzeller war ein Meister im Umgang mit Licht und Schatten - seine Bilder wirken ungeheuer plastisch: die Pastelle erinnern an Degas, die Zeichnungen an Van Gogh, die Holzschnitte an Carrä. Und doch hat er nie seine Eigenständigkeit verloren; er hat nie «kopiert», er filterte gleichsam die damalige französische Schule und malte anders als seine Künstlerkollegen. Wie Liner hat sich Appenzeller konsequent dem Zeitgeist, der «Mode» entzogen; das macht denn auch seine «Einordnung» so schwierig. Formale Gefälligkeiten, verwischte Ziererei fehlen bei Appenzeller völlig. Seine Bilder wirken frisch und spontan, die Schönheit und Anmut der Frauenkörper ist ebenso ergreifend wie die Trauer in Augen und Gesten. Und doch wirken diese Frauenbilder nie trist, sie sind von eigenartig faszinierender Schönheit, aber sie sind nicht nur schön, sie gehen auch unter die Haut.

St. Galler in Frankreich

Der endlich wiederentdeckte Karl-Felix Appenzeller wurde am 18. August 1892 als Sohn einer alteingesessenen St.Galler Familie geboren. Früh schon fühlte er sich zur Malerei hingezogen: er bildete sich bei Wilhelm Hummel in Zürich, an der Kunstakademie in München und bei Angelo Jank aus, und er liebte die französische Malerei ganz besonders. Er kannte Ferdinand Hodler und Otto Vautier Vater, dem er 1911 nach Genf folgte, wo er zwischen 1912 und 1924 ein Atelier hatte. In diesen Jahren arbeitete er aber auch in der Ostschweiz: sein Bruder besass ein Landhaus in Häggenschwil; hier entstanden zahlreiche Landschaftsbilder. 1918 gab er «Douze Estampes» heraus und 1923 das «Album de lithographies». 1924 reiste er mit Maurice Barraud nach Spanien und noch im selben Jahr liess er sich in Paris nieder, wo er 1925 sein Atelier einrichtete. In Paris stellte er oft in Salons aus und lernte viele Künstlerkollegen kennen, unter ihnen Claude Monet. 1927 kaufte er in Buchillon, bei Morges, ein Landhaus, das zum Treffpunkt seiner Genfer Freunde wurde. Aus diesen Jahren stammen zahlreiche Landschaftsbilder, immer wieder mit einem Eisenbahnviadukt. Zwischen 1912 und 1931 stellte Appenzeller achtmal an der Nationalen Schweizerischen Kunstausstellung und zweimal im Kunsthaus Zürich seine Werke aus. Der St.Galler in Frankreich liebte das Land über alles.

Auch in seiner Pariser Zelt zog es ihn immer wieder aufs Land hinaus. In Coutances, im Departement Manche in der Normandie, entstanden wundervolle Holzschnitte. In Neauphe-le-Vieux (Seine et Oise) kaufte er 1936 das Chäteau de l'Abbaye, eine Villa, in der zuvor Ingres gelebt hatte. Doch wegen finanzieller Engpässe musste Appenzeller das Schlösschen wieder verkaufen. 1938 hatte er Marguerite Davesna-de Cussy geheiratet. Bis 1954 lebte er in Paris, dann zog er zurück in seine Vaterstadt, wo er 1964 starb.

Karl-Felix Appenzeller eine Wiederentdeckung. Appenzeller Zeitung Herisau, Mittwoch, 8. April 1981, Nr. 82 Seite 7Einen spannungsvollen Kontrast zu Appenzellers grossformatigen Bildern geben die feinen Zeichnungen und Studien Ferdinand Hodlers aus der Sammlung Berta Hodlers: mit äusserst sparsamen Mitteln, wenigen leichten, sicheren Strichen, skizzenhaft bezaubern sie durch ihre stille Anmut. Vor allem aus dem Mittelmeer-Städtchen Terracina, wo einige der schönsten Bilder Carl Liners entstanden, stammen die Zeichnungen, die Ida Niggli für diese Ausstellung ausgesucht hat. Immer wieder entzücken Liners kleine Zeichnungen durch ihre ungemeine Perfektion und ihre Wärme.

Margrith Widmer

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